Kurz erklärt
Ein Hydraulikzylinder ist ein Arbeitszylinder, der hydraulischen Druck in eine geradlinige Bewegung mit hoher Kraft umwandelt, etwa in Pressen oder Walzwerken.
Inhalt
Was ist Hydraulikzylinder?
Im Zylinderrohr bewegt sich ein Kolben mit Kolbenstange, der durch Öldruck auf einer oder beiden Seiten verschoben wird. Die Kraft ergibt sich aus Druck mal wirksamer Kolbenfläche. Hydraulikzylinder erzeugen deutlich höhere Kräfte als Pneumatikzylinder bei kompakter Bauweise und lassen sich feinfühlig positionieren.
Einfachwirkende Zylinder arbeiten nur in eine Richtung und fahren durch Last oder Feder zurück, doppeltwirkende werden in beide Richtungen beaufschlagt. Daneben gibt es Gleichgangzylinder mit durchgehender Stange, Teleskop- und Plungerzylinder. Konstruktiv unterscheidet man Zugstangen-, Rund- und Schweißzylinder. Kenngrößen sind Kolben- und Stangendurchmesser, Hub, Nenndruck, Befestigungsart, Endlagendämpfung und Dichtungssystem. Für bestimmte Baureihen sind Einbaumaße in ISO 6020 und ISO 6022 genormt.
Häufige Ausfallursachen sind verschlissene Dichtungen, Riefen auf der Kolbenstange, verschmutztes Öl, Querkräfte durch Fluchtungsfehler und Korrosion. Im Stahlwerk oder an Spritzgussmaschinen kommen Hitze und Zunder hinzu. Oft genügt ein Dichtungssatz, bei Stangenschäden ist eine Instandsetzung nötig. Für Zylinder ohne Unterlagen lässt sich ein Ersatz anhand von Aufmaß, Einbausituation und Betriebsdaten nachbauen.
Praxis in Instandhaltung und Beschaffung
Für Ersatz oder Reparatur werden Typenschilddaten, Kolben- und Stangendurchmesser, Hub, Betriebsdruck, Befestigungsart, Anschlussgewinde und Medium benötigt. Bei Sonderzylindern ohne Unterlagen hilft eine Maßzeichnung; Dichtungssätze sollten für kritische Zylinder bevorratet werden.
Synonyme und Abkürzungen: Hydraulischer Zylinder · Hydraulic Cylinder · Arbeitszylinder · Differentialzylinder · Plungerzylinder
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einfach- und doppeltwirkendem Hydraulikzylinder?
Ein einfachwirkender Zylinder wird nur auf einer Kolbenseite mit Öl beaufschlagt; zurück fährt er durch das Eigengewicht der Last oder eine Feder. Ein doppeltwirkender Zylinder hat zwei Anschlüsse und wird in beide Richtungen hydraulisch bewegt. Doppeltwirkende Zylinder sind in Pressen, Hubwerken und Fördertechnik verbreitet, weil sie Kraft in beiden Richtungen liefern.
Wie berechnet man die Kraft eines Hydraulikzylinders?
Die Kraft ist das Produkt aus Druck und wirksamer Fläche. Beim Ausfahren wirkt die volle Kolbenfläche, beim Einfahren nur die Ringfläche, also Kolbenfläche minus Stangenquerschnitt. Ein Zylinder erzeugt daher beim Einfahren weniger Kraft. Reibung und Druckverluste mindern den theoretischen Wert in der Praxis.
Welche Angaben braucht man, um einen Hydraulikzylinder zu ersetzen?
Benötigt werden Kolbendurchmesser, Stangendurchmesser, Hub, maximaler Betriebsdruck, Befestigungsart an Boden und Stange, Anschlussart und -größe, Einbaulänge sowie Medium und Temperatur. Wichtig sind auch Angaben zu Endlagendämpfung und Wegmesssystem, falls vorhanden. Typenschild und Herstellerteilenummer verkürzen die Klärung erheblich.
Warum verliert ein Hydraulikzylinder Öl oder sackt ab?
Äußere Leckage an der Stange deutet meist auf verschlissene Stangendichtung oder beschädigte Stangenoberfläche hin. Sackt ein Zylinder unter Last ab, kann eine defekte Kolbendichtung oder ein undichtes Ventil im Kreislauf die Ursache sein. Eine Prüfung sollte beides unterscheiden, bevor Teile getauscht werden.