Kurz erklärt
Ein Hydraulikmotor wandelt den Druck und Volumenstrom eines Hydraulikfluids in eine Drehbewegung mit hohem Drehmoment um, oft bei niedriger Drehzahl.
Inhalt
Was ist Hydraulikmotor?
Der Hydraulikmotor ist das rotierende Gegenstück zum Hydraulikzylinder. Konstruktiv ähnelt er einer Hydraulikpumpe, arbeitet aber in umgekehrter Richtung: Das unter Druck zuströmende Öl treibt die Verdrängerelemente an und erzeugt ein Drehmoment an der Welle. Hydraulikmotoren sind kompakt, überlastsicher und lassen sich stufenlos in der Drehzahl verstellen.
Je nach Bauart unterscheidet man Zahnrad-, Flügelzellen-, Axialkolben- und Radialkolbenmotoren sowie Orbitmotoren nach dem Zahnring-Prinzip. Schnellläufer arbeiten bei hohen Drehzahlen und werden oft mit Getriebe kombiniert, Langsamläufer liefern hohes Drehmoment direkt, etwa für Förderschnecken, Rührwerke, Wickel- oder Walzenantriebe. Zentrale Kenngröße ist das Schluckvolumen je Umdrehung; das Drehmoment ist proportional zu Schluckvolumen und Druckdifferenz, die Drehzahl zum Volumenstrom.
Verschleiß an Laufflächen und Dichtungen führt zu steigendem Leckölstrom und sinkendem Drehmoment. Verschmutztes Öl, unzureichender Leckölabfluss und Druckspitzen gehören zu den häufigsten Schadensursachen. In der Beschaffung ist zu beachten, dass Motoren gleicher Baugröße sich in Welle, Flansch und Anschlüssen deutlich unterscheiden können. Die vollständige Typbezeichnung vom Typenschild ist daher wichtiger als eine Angabe zur Baugröße allein.
Praxis in Instandhaltung und Beschaffung
Für den Ersatz werden Bauart, Schluckvolumen, maximaler Druck, Drehzahlbereich, Wellenende, Flanschform, Anschlussgrößen und Drehrichtung benötigt. Ob ein Leckölanschluss vorhanden ist und wie er geführt wird, sollte vor dem Tausch geklärt sein.
Synonyme und Abkürzungen: Hydromotor · Hydraulic Motor · Ölmotor · Orbitmotor · Radialkolbenmotor
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Hydraulikmotor und Hydraulikpumpe?
Die Pumpe wandelt mechanische Energie eines Antriebs in hydraulische Energie um, der Motor wandelt hydraulische Energie zurück in eine Drehbewegung. Viele Bauarten sind ähnlich aufgebaut, sind aber für ihre Funktion optimiert, etwa bei Lagerung, Dichtungen und Drehrichtung. Nicht jede Pumpe kann ohne Weiteres als Motor betrieben werden.
Wie berechnet man das Drehmoment eines Hydraulikmotors?
Das theoretische Drehmoment ergibt sich aus Schluckvolumen mal Druckdifferenz zwischen Zu- und Ablauf, geteilt durch zwei Pi. Mit Schluckvolumen in Kubikzentimetern und Druck in bar erhält man nach Umrechnung das Drehmoment in Newtonmetern. Der mechanische Wirkungsgrad reduziert den realen Wert.
Welche Angaben braucht man, um einen Hydraulikmotor zu ersetzen?
Wichtig sind Bauart, Schluckvolumen, maximaler Betriebsdruck, Drehzahlbereich, Drehrichtung oder Umkehrbarkeit, Wellenform und -durchmesser, Befestigungsflansch sowie Anschlussart und -größe. Hinzu kommen Angaben zum Leckölanschluss und gegebenenfalls zu integrierten Bremsen oder Ventilen. Typenschilddaten und Herstellerteilenummer sind der schnellste Weg zur Identifikation.
Warum verliert ein Hydraulikmotor an Kraft?
Häufigste Ursache ist innerer Verschleiß, der den Leckölstrom erhöht, sodass weniger Öl Arbeit verrichtet. Auch zu niedriger Systemdruck, ein falsch eingestelltes Druckbegrenzungsventil, verschmutzte Filter oder zu heißes, dünnflüssiges Öl mindern Drehmoment und Drehzahl. Eine Leckölmessung hilft, den Motor als Ursache einzugrenzen.