Kurz erklärt
Nearshoring bezeichnet die Verlagerung von Beschaffung, Fertigung oder Dienstleistungen in nahe gelegene Länder statt in weit entfernte Niedriglohnregionen.
Inhalt
Was ist Nearshoring?
Nearshoring liegt zwischen Onshoring, also der Fertigung im eigenen Land, und Offshoring in weit entfernte Regionen. Es kann eigene Produktionsstandorte betreffen oder die Lieferantenbasis: Statt Teile aus fernen Märkten zu beziehen, werden Lieferanten in benachbarten Ländern aufgebaut, für westeuropäische Unternehmen etwa in Mittel-, Ost- oder Südeuropa. Verwandt ist das Reshoring, die Rückverlagerung ins Heimatland.
Gründe für Nearshoring sind kürzere Wiederbeschaffungszeiten, geringere Abhängigkeit von einzelnen Weltregionen, ähnliche Zeitzonen und Rechtsrahmen, leichtere Lieferantenaudits und eine einfachere Abstimmung bei technischen Änderungen. Dem stehen oft höhere Stückpreise als in Niedriglohnregionen gegenüber, außerdem Aufwand für Lieferantensuche und Qualifizierung. Die Entscheidung stützt sich daher in der Regel auf eine Gesamtkostenbetrachtung statt auf den reinen Einkaufspreis.
Für Ersatzteile und MRO-Material kann Nearshoring die Versorgungssicherheit erhöhen, weil nahe Lieferanten flexibler auf Eilbedarfe reagieren und Nachfertigungen leichter abgestimmt werden. Bei herstellergebundenen Originalteilen bleibt die Bezugsquelle allerdings meist vorgegeben; Nearshoring betrifft eher Zeichnungsteile, Baugruppen und Standardkomponenten.
Praxis in Instandhaltung und Beschaffung
Bei der Bewertung naher Lieferanten sollten Qualitätsfähigkeit, Prüfdokumentation, Kapazität und Reaktionsfähigkeit ebenso geprüft werden wie der Preis. Vor dem Wechsel bewährter Teile ist eine Erstmusterprüfung sinnvoll, bevor größere Mengen bestellt werden.
Synonyme und Abkürzungen: Near-Shoring · Near-Sourcing · Regionalisierung der Beschaffung · Verlagerung in Nachbarländer
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Nearshoring, Offshoring und Reshoring?
Offshoring verlagert Fertigung oder Beschaffung in weit entfernte Länder, meist wegen niedriger Kosten. Nearshoring verlagert in benachbarte oder nahe gelegene Länder. Reshoring bezeichnet die Rückverlagerung in das Heimatland. Alle drei Begriffe beschreiben Standortentscheidungen und schließen sich nicht aus: Unternehmen kombinieren sie oft je nach Warengruppe.
Welche Vorteile hat Nearshoring?
Genannt werden vor allem kürzere und besser planbare Wiederbeschaffungszeiten, geringere Abhängigkeit von einzelnen Regionen, ähnliche Zeitzonen, vergleichbare Normen und Rechtsrahmen sowie einfachere persönliche Abstimmung und Audits. Das erleichtert schnelle Reaktionen auf Konstruktionsänderungen oder Eilbedarfe, auch wenn die Stückpreise höher liegen können.
Welche Nachteile hat Nearshoring?
Die Kosten pro Stück sind häufig höher als in Niedriglohnländern, und der Aufbau neuer Lieferanten verursacht Aufwand für Suche, Qualifizierung und Erstmusterprüfung. In manchen Regionen sind Fachkräfte und Kapazitäten knapp. Ob sich Nearshoring rechnet, zeigt deshalb erst eine Betrachtung der Gesamtkosten einschließlich Risiko- und Bestandskosten.