Ersatzteilkisten mit Sicherungen, Relais, Schützen und Leitungsschutzschaltern vor einem offenen Schaltschrank

Schaltschrank: 10 Ersatzteile, die Sie immer auf Lager haben sollten

7 Min. Lesezeit

Freitag, kurz nach 22 Uhr. Eine Verpackungslinie steht, im Schaltschrank ist ein Koppelrelais durchgebrannt. Ein Bauteil, das im Katalog kaum auffällt. Auf Lager liegt keines, der Elektriker baut provisorisch eines aus einer stillgelegten Maschine um. Die Linie läuft wieder, aber nur mit Glück.

Solche Nächte entstehen selten durch große, teure Komponenten. Sie entstehen durch kleine Teile, an die niemand gedacht hat. Ein Schaltschrank enthält Dutzende Komponenten, und fast jede davon kann eine Anlage stoppen.

Diese Checkliste zeigt zehn Ersatzteile, die in vielen Betrieben in keinem Schaltschrank-Ersatzteillager fehlen sollten. Dazu erfahren Sie, warum sie kritisch sind, welche Daten Sie für die Bevorratung brauchen und wie Sie die Liste auf Ihre Anlagen zuschneiden.

Sicherheitshinweis: Arbeiten an elektrischen Anlagen dürfen nur Elektrofachkräfte oder elektrotechnisch unterwiesene Personen unter Leitung einer Elektrofachkraft ausführen, sinngemäß nach DGUV Vorschrift 3 und DIN VDE 0105-100. Die Angaben der Hersteller und die Dokumentation der Anlage gehen immer vor.

Warum gerade Schaltschrank-Komponenten?

Schaltschrank-Komponenten haben drei Eigenschaften, die sie für die Bevorratung interessant machen. Erstens sind sie oft klein und vergleichsweise günstig, ein Ausfall stoppt aber die ganze Maschine. Zweitens sind viele von ihnen Verschleißteile, etwa Kontakte, Lüfter oder Batterien. Drittens wiederholen sich die Typen häufig über mehrere Anlagen hinweg. Ein Teil im Lager deckt dann gleich mehrere Maschinen ab.

Für die Auswahl gilt: Die richtige Liste hängt von Ihren Anlagen ab. Die folgenden zehn Positionen sind ein bewährter Startpunkt, kein Ersatz für eine Bewertung nach Kritikalität.

Die 10 Ersatzteile im Überblick

1. Sicherungseinsätze und Leitungsschutzschalter

Sicherungen sind dafür da, auszulösen. Deshalb brauchen Sie Ersatz, und zwar in genau der richtigen Ausführung: Bauart (zum Beispiel NH, D/DO, Feinsicherung oder Zylindersicherung), Nennstrom, Betriebsklasse wie gG oder aM und Ausschaltvermögen. Bei Leitungsschutzschaltern zählen Auslösecharakteristik (B, C, D), Nennstrom und Polzahl. Eine falsche Sicherung ist schlimmer als keine, weil sie den Schutz der Leitung oder des Geräts aufhebt.

2. Schütze und Hilfsschalterblöcke

Schütze schalten Motoren, Heizungen und andere Lasten. Ihre Hauptkontakte verschleißen mit jeder Schaltung, besonders bei häufigem Tippbetrieb. Für den Ersatz zählen Bemessungsbetriebsstrom bzw. -leistung in der passenden Gebrauchskategorie (etwa AC-3 nach DIN EN 60947-4-1), Spulenspannung mit Stromart (zum Beispiel 24 V DC oder 230 V AC) und die Hilfskontakte. Wer Schütz und Relais unterscheiden möchte, findet die Erklärung im Beitrag Schütz oder Relais? Der Unterschied einfach erklärt.

3. Motorschutzschalter und Überlastrelais

Sie schützen Motoren vor Überlast und Kurzschluss. Fällt ein Gerät aus, muss der Ersatz den passenden Einstellbereich haben, damit sich der Motornennstrom korrekt einstellen lässt. Notieren Sie für jeden Einbauort den eingestellten Wert. Wie Sie ihn richtig wählen, lesen Sie unter Motorschutzschalter richtig einstellen.

4. Koppelrelais und Steckrelais mit Sockel

Koppelrelais trennen die Steuerung von der Last und verstärken Signale. Sie sitzen oft in großer Zahl nebeneinander. Gerade Steckrelais lassen sich schnell tauschen, wenn passender Ersatz greifbar ist. Wichtig sind Spulenspannung, Kontaktart und -anzahl, Schaltleistung und die Sockelbauform. Halten Sie einige Relais und mindestens einen Sockel je Typ vor.

5. Sicherheitsrelais

Sicherheitsrelais überwachen Not-Halt-Taster, Schutztüren oder Lichtvorhänge. Ohne funktionierendes Sicherheitsrelais darf die Maschine nicht laufen, und Überbrückungen sind tabu. Ersatz muss genau dem eingesetzten Typ entsprechen oder vom Sicherheitsverantwortlichen freigegeben sein, weil die Sicherheitsfunktion nach DIN EN ISO 13849-1 bewertet wurde. Nach dem Tausch ist eine dokumentierte Funktionsprüfung der Sicherheitskreise Pflicht. Prüfen Sie außerdem, ob Einstellungen wie Rückfallverzögerung oder Startart am Gerät gesetzt werden müssen.

6. 24-V-Netzteile

Fast jede Steuerung hängt an einem 24-V-DC-Netzteil. Fällt es aus, gehen Steuerung, Sensoren und Ventile gleichzeitig vom Netz. Netzteile altern unter anderem durch Wärme in ihren Elektrolytkondensatoren. Für den Ersatz zählen Eingangsspannung, Ausgangsstrom, Bauform für die Hutschiene und eventuell Funktionen wie Parallelbetrieb oder Meldekontakte.

7. SPS-Ein-/Ausgabebaugruppen und Buskoppler

Ein- und Ausgangsbaugruppen sind die Schnittstelle zur Maschine. Kurzschlüsse in der Feldverdrahtung oder Überspannungen beschädigen sie zuerst. Halten Sie mindestens je eine Baugruppe der häufigsten Typen vor, besonders digitale Ausgänge. Bei älteren Steuerungsgenerationen wird das zur Obsoleszenzfrage, wie der Beitrag Siemens S7-300 abgekündigt zeigt.

8. Speicherkarte und Pufferbatterie der Steuerung

Viele Steuerungen und Bediengeräte arbeiten mit Speicherkarten, manche nutzen eine Pufferbatterie für Daten oder Uhrzeit. Eine Speicherkarte mit aktuellem Programmstand und eine Ersatzbatterie sind kleine Teile mit großer Wirkung. Noch wichtiger ist eine aktuelle Datensicherung des Programms, getrennt von der Anlage aufbewahrt. Ohne sie hilft auch die beste Ersatz-CPU wenig.

9. Schaltschranklüfter und Filtermatten

Wärme ist einer der Hauptgründe für Ausfälle elektronischer Komponenten. Filterlüfter verschleißen in den Lagern, Filtermatten setzen sich zu. Ein ausgefallener Lüfter fällt oft erst auf, wenn der Frequenzumrichter wegen Übertemperatur abschaltet. Filtermatten sind klassische Verbrauchsteile und gehören in den Wartungsplan, Lüfter als Reserve ins Lager.

10. Befehls- und Meldegeräte

Taster, Wahlschalter, Leuchtmelder und Not-Halt-Geräte werden täglich betätigt und verschleißen mechanisch. Häufig reicht es, das Kontaktelement oder das LED-Element zu tauschen, nicht das ganze Gerät. Bevorraten Sie deshalb die gängigen Kontakt- und Leuchtelemente sowie einige Frontelemente in den Farben Ihrer Anlagen.

Die Checkliste als Tabelle

Ersatzteil Warum kritisch Wichtigste Daten für den Ersatz
Sicherungseinsätze, LS-Schalter lösen bestimmungsgemäß aus Bauart, Nennstrom, Betriebsklasse bzw. Charakteristik, Ausschaltvermögen
Schütze, Hilfsschalter Kontaktverschleiß Gebrauchskategorie, Bemessungsstrom, Spulenspannung, Hilfskontakte
Motorschutzschalter, Überlastrelais Ausfall stoppt den Motor Einstellbereich, eingestellter Wert, Kurzschlussauslöser
Koppelrelais mit Sockel viele Einbauorte, häufiger Ausfall Spulenspannung, Kontakte, Schaltleistung, Sockel
Sicherheitsrelais Maschine darf ohne nicht laufen exakter Typ, Konfiguration, Freigabe
24-V-Netzteil versorgt die gesamte Steuerung Eingangsspannung, Ausgangsstrom, Bauform
E/A-Baugruppen, Buskoppler Schäden durch Feldfehler vollständige Artikelnummer, Firmwarestand
Speicherkarte, Pufferbatterie Programm- und Datenverlust Kartentyp und Größe, Batterietyp, aktuelle Sicherung
Lüfter, Filtermatten Überhitzung der Elektronik Baugröße, Spannung, Luftleistung, Filterklasse
Befehls- und Meldegeräte mechanischer Verschleiß Durchmesser, Kontakt- oder LED-Element, Farbe, Spannung

So passen Sie die Liste an Ihre Anlagen an

Eine allgemeine Liste ist ein Anfang. Wirklich wirksam wird sie erst, wenn Sie sie mit Ihren Schaltplänen und Stücklisten abgleichen. Bewährt hat sich dieses Vorgehen:

  1. Bestand erfassen: Stücklisten der Schaltschränke auswerten oder die Typenschilder vor Ort aufnehmen.
  2. Gleichteile finden: Welche Typen kommen in mehreren Anlagen vor? Diese zuerst bevorraten.
  3. Kritikalität bewerten: Was passiert, wenn das Teil ausfällt? Stillstand einer ganzen Linie oder nur eine Nebenfunktion?
  4. Wiederbeschaffung prüfen: Ist das Teil kurzfristig erhältlich, oder ist es abgekündigt?
  5. Mindestbestand festlegen und im Lager eindeutig kennzeichnen, mit Einbauort und Artikelnummer.
  6. Regelmäßig überprüfen: Nach jedem Umbau und bei jeder Abkündigungsmeldung die Liste nachziehen.

Wie Sie Ersatzteile systematisch nach Kritikalität einordnen und Mindestbestände festlegen, ist Aufgabe des Ersatzteilmanagements. Unterstützung dabei bietet unsere Leistung Ersatzteilmanagement.

Typische Fehler bei der Bevorratung

  • Falsche Spulenspannung: Das Schütz liegt im Lager, aber mit 230 V AC statt 24 V DC.
  • Sockel vergessen: Das Relais ist da, der passende Sockel nicht.
  • Alter Firmwarestand ignoriert: Eine neuere Baugruppe verhält sich anders oder wird von der Steuerung nicht akzeptiert.
  • Lagerung ohne Pflege: Batterien altern auch im Regal. Achten Sie auf Herstelldatum und Lagerbedingungen.
  • Keine Dokumentation: Niemand weiß nachts um zwei, welches Teil in welchen Schrank gehört.

Richtig lagern: damit das Ersatzteil im Ernstfall funktioniert

Ein Ersatzteil hilft nur, wenn es im Ernstfall schnell gefunden wird und einwandfrei ist. Lagern Sie elektronische Baugruppen trocken, staubfrei und in ihrer Originalverpackung, Baugruppen mit empfindlicher Elektronik zusätzlich in ESD-Schutzverpackung. Vermerken Sie am Lagerplatz Artikelnummer, Ausgabestand und die Anlagen, in denen das Teil verbaut ist.

Bewährt hat sich ein eigenes Fach je Schaltschranktyp oder Anlage, ergänzt durch eine Übersichtsliste im Instandhaltungssystem. Wird ein Teil entnommen, löst das sofort eine Nachbestellung aus. Sonst steht beim zweiten Ausfall wieder niemand mit Ersatz bereit.

Was Sie bei der Anfrage angeben sollten

Für eine schnelle Beschaffung brauchen Sie bei Schaltschrank-Komponenten vor allem: Hersteller, vollständige Artikelnummer, Foto des Typenschilds bzw. der Gerätebeschriftung, bei Steuerungsbaugruppen den Firmware- bzw. Ausgabestand und die gewünschte Menge. Ist eine Alternative erlaubt, sagen Sie dazu, wer sie technisch freigibt. Mehr dazu in der Checkliste für die Ersatzteilanfrage.

Wenn Teile schwer zu bekommen sind

Viele Schaltschrank-Komponenten sind Standardware. Bei älteren Anlagen sind aber gerade Steuerungsbaugruppen, Sicherheitsrelais oder Sonderausführungen abgekündigt. KTB Europe, Familienunternehmen aus Hamburg, beschafft seit 1976 Ersatzteile aller Marken weltweit. Sie schicken uns Teilenummer, Typenschildfoto oder eine Beschreibung, wir suchen das Teil oder eine passende Alternative und prüfen es in unserem eigenen Zentrallager. Mehr dazu unter MRO-Beschaffung. Ihre Anfrage stellen Sie über die Kontaktseite.

Fazit

Die meisten Schaltschrank-Stillstände entstehen durch kleine, unscheinbare Teile. Zehn Positionen von der Sicherung bis zum Leuchtmelder decken einen großen Teil der typischen Ausfälle ab. Entscheidend ist, die Liste mit Ihren Anlagen abzugleichen, Gleichteile zu nutzen, Spulenspannungen und Firmwarestände genau zu erfassen und eine aktuelle Programmsicherung bereitzuhalten. Dann wird aus der nächsten Nachtschicht ein kurzer Tausch statt einer Improvisation.

Häufige Fragen

Welche Ersatzteile sollte man für den Schaltschrank vorrätig haben?

Bewährt haben sich Sicherungseinsätze, Leitungsschutzschalter, Schütze, Motorschutzschalter, Koppelrelais mit Sockel, Sicherheitsrelais, 24-V-Netzteile, E/A-Baugruppen, Speicherkarte und Pufferbatterie der Steuerung, Lüfter mit Filtermatten sowie Kontakt- und Leuchtelemente. Die genaue Liste sollten Sie mit Ihren Stücklisten und der Kritikalität Ihrer Anlagen abgleichen.

Was muss ich beim Tausch eines Sicherheitsrelais beachten?

Das Ersatzgerät muss dem eingesetzten Typ entsprechen oder vom Sicherheitsverantwortlichen freigegeben sein, weil die Sicherheitsfunktion bewertet wurde. Einstellungen am Gerät müssen übernommen werden. Nach dem Tausch ist eine dokumentierte Funktionsprüfung aller angeschlossenen Sicherheitskreise erforderlich.

Welche Komponenten gehören in einen Schaltschrank?

Typische Schaltschrank-Komponenten sind Einspeisung und Hauptschalter, Sicherungen und Leitungsschutzschalter, Schütze, Motorschutzschalter, Relais, Netzteile, Steuerung mit Ein- und Ausgabebaugruppen, Frequenzumrichter, Klemmen sowie Lüfter oder Klimageräte. Die Ausführung richtet sich nach der Anlage und den Vorgaben der DIN EN 61439-Reihe.

Wie lege ich fest, wie viele Ersatzteile ich lagern sollte?

Ausschlaggebend sind die Folgen eines Ausfalls, die Zahl gleicher Teile in Ihren Anlagen, die Ausfallhäufigkeit und die Wiederbeschaffungszeit. Teile, die mehrere Maschinen stoppen können und schwer erhältlich sind, verdienen einen höheren Mindestbestand. Die Liste sollten Sie nach Umbauten und Abkündigungen regelmäßig überprüfen.

Warum sollte die Spulenspannung bei Schützen genau stimmen?

Die Spule eines Schützes ist für eine bestimmte Spannung und Stromart ausgelegt, etwa 24 V DC oder 230 V AC. Ein Schütz mit falscher Spule zieht nicht an oder wird beschädigt. Deshalb gehört die Spulenspannung neben dem Bemessungsstrom zu den wichtigsten Angaben bei der Bevorratung.

MD

Über den Autor

Mica Duarte

Senior Procurement Specialist bei KTB Europe mit über 15 Jahren Erfahrung in globalem MRO-Sourcing und Supply-Chain-Management.

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