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Im Schaltschrank einer älteren Verpackungsanlage ist ein Bauteil durchgebrannt. Auf dem Gehäuse steht eine Spulenspannung, darunter ein paar Kontaktbezeichnungen. Der Kollege aus dem Einkauf fragt: „Ist das jetzt ein Relais oder ein Schütz? Und ist das nicht ohnehin dasselbe?“
Die Frage ist berechtigt. Beide Bauteile funktionieren nach demselben Prinzip, beide schalten mit einer Spule Kontakte. Trotzdem sind sie nicht austauschbar. Wer ein Relais dort einsetzt, wo ein Schütz hingehört, riskiert verschweißte Kontakte, einen Motor, der nicht mehr abschaltet, oder einen Brand im Schaltschrank.
Dieser Artikel erklärt den Unterschied zwischen Schütz und Relais in einfachen Worten: wie beide funktionieren, wo sie eingesetzt werden, woran Sie sie erkennen und was Sie beim Ersatz angeben müssen.
Das gemeinsame Prinzip
Relais und Schütz sind elektromagnetisch betätigte Schalter. Fließt Strom durch eine Spule, entsteht ein Magnetfeld. Dieses zieht einen beweglichen Anker an, und der Anker bewegt die Kontakte. Fällt die Spulenspannung weg, drückt eine Feder den Anker zurück, und die Kontakte kehren in ihre Ruhelage zurück.
Der Sinn dahinter: Ein kleiner Steuerstrom schaltet einen getrennten Stromkreis. Steuerkreis und geschalteter Kreis sind galvanisch voneinander getrennt. So kann eine Steuerung mit 24 V DC einen Verbraucher an 230 V oder 400 V schalten, ohne dass beide Kreise elektrisch verbunden sind.
Was ist ein Relais?
Ein Relais ist für kleine Ströme gebaut. Es schaltet Signale und Steuerkreise: eine Meldeleuchte, den Eingang einer Steuerung, die Spule eines Schützes oder ein Magnetventil mit geringer Leistung. Typische Relais sind kompakt, oft steckbar auf einem Sockel und haben häufig Wechslerkontakte, also Kontakte, die zwischen zwei Stellungen umschalten.
Elektromechanische Relais sind in der Normenreihe DIN EN 61810 beschrieben. Für Relais im Steuerkreis von Industrieanlagen gilt zusätzlich DIN EN 60947-5-1 mit den Gebrauchskategorien für Steuerstromkreise, etwa AC-15 für elektromagnetische Lasten an Wechselspannung und DC-13 für Elektromagnete an Gleichspannung.
Was ist ein Schütz?
Ein Schütz ist für das Schalten von Leistung gebaut. Es schaltet Motoren, Heizungen, Beleuchtungsgruppen oder Kondensatorbatterien – also Lasten mit hohen Strömen, oft dreiphasig. Dafür hat es drei Hauptkontakte, die in der Regel als Schließer ausgeführt sind, und zusätzlich Hilfskontakte für Steuer- und Meldefunktionen.
Der entscheidende Unterschied liegt im Inneren. Beim Abschalten hoher Ströme, besonders unter induktiver Last wie einem Motor, entsteht ein Lichtbogen. Ein Schütz ist dafür konstruiert: Seine Hauptkontakte trennen den Strom meist an zwei Stellen gleichzeitig (Doppelunterbrechung), und Lichtbogenkammern löschen den Bogen schnell. Ein Relais hat diese Einrichtungen nicht.
Schütze für Motoren und andere Lasten werden nach DIN EN 60947-4-1 geprüft. Dort sind die Gebrauchskategorien festgelegt, die angeben, für welche Last ein Schütz ausgelegt ist:
- AC-1: nicht induktive oder schwach induktive Lasten, zum Beispiel Widerstandsheizungen
- AC-3: Käfigläufermotoren, Anlassen und Ausschalten während des Laufs – die häufigste Angabe
- AC-4: Käfigläufermotoren mit Tippen, Gegenstrombremsen oder Reversieren – die härteste Beanspruchung
Ein Schütz hat deshalb nicht einen einzigen Bemessungsstrom, sondern je nach Gebrauchskategorie unterschiedliche Werte. Der AC-1-Wert ist deutlich höher als der AC-3-Wert, weil das Abschalten eines Motors die Kontakte viel stärker belastet.
Schütz und Relais im direkten Vergleich
| Merkmal | Relais | Schütz |
|---|---|---|
| Aufgabe | Signale und Steuerkreise schalten | Leistung und Verbraucher schalten |
| Typische Ströme | Milliampere bis wenige Ampere | von einigen Ampere bis zu mehreren Hundert Ampere |
| Kontakte | oft Wechsler, ein bis vier Stück | drei Hauptkontakte plus Hilfskontakte |
| Lichtbogenlöschung | keine besondere Einrichtung | Doppelunterbrechung, Löschkammern |
| Bauform | klein, oft steckbar auf Sockel | größer, auf Hutschiene oder Montageplatte |
| Typische Last | Steuerungseingänge, Meldeleuchten, kleine Spulen | Motoren, Heizungen, Pumpen, Lüfter |
| Zentrale Norm | DIN EN 61810, DIN EN 60947-5-1 | DIN EN 60947-4-1 |
| Kennzeichnung im Schaltplan | meist K mit Nummer | meist Q oder K mit Nummer, je nach Normstand |
Der Zwischenfall: das Hilfsschütz
Zwischen beiden Welten steht das Hilfsschütz, auch Schützrelais genannt. Es sieht aus wie ein kleines Schütz, hat aber nur Hilfskontakte und keine Hauptkontakte. Eingesetzt wird es für Verriegelungen, Selbsthaltungen und Kontaktvervielfachung in Steuerungen. Es fällt unter DIN EN 60947-5-1. Wenn Sie auf einem Bauteil viele Hilfskontakte, aber keine dicken Hauptanschlüsse sehen, haben Sie es meist mit einem Hilfsschütz zu tun.
Sonderfälle: Sicherheitsrelais und Halbleiterschütz
Sicherheitsrelais
Ein Sicherheitsrelais ist kein einfaches Relais mit anderem Namen. Es überwacht zum Beispiel einen Not-Halt-Kreis oder eine Schutztür, arbeitet meist zweikanalig und erkennt eigene Fehler. Für sicherheitsgerichtete Anwendungen werden Relais mit zwangsgeführten Kontakten und Schütze mit Spiegelkontakten verwendet. Dabei ist sichergestellt, dass ein Öffner nicht geschlossen sein kann, solange ein Schließer verschweißt ist. Ein Ersatz muss hier immer dieselben Sicherheitseigenschaften haben wie das Original.
Halbleiterrelais und Halbleiterschütz
Halbleiterrelais und Halbleiterschütze schalten ohne bewegliche Teile über Thyristoren oder Triacs. Sie arbeiten geräuschlos, verschleißfrei und eignen sich für häufige Schaltspiele, etwa bei getakteten Heizungen. Dafür erzeugen sie Verlustwärme, brauchen oft einen Kühlkörper und bieten im ausgeschalteten Zustand keine echte galvanische Trennung.
Woran Sie erkennen, was vor Ihnen liegt
Wenn Sie ein Bauteil im Schaltschrank zuordnen müssen, helfen diese Merkmale:
- Anschlussbezeichnungen: Hauptkontakte eines Schützes tragen die Bezeichnungen 1/L1, 3/L2, 5/L3 auf der Netzseite und 2/T1, 4/T2, 6/T3 auf der Lastseite. Spulenanschlüsse heißen A1 und A2.
- Hilfskontakte: zweistellige Kennzahlen wie 13–14 (Schließer) oder 21–22 (Öffner).
- Typenschild: Angaben wie „AC-3“, eine Leistung in kW bei 400 V oder ein Bemessungsbetriebsstrom deuten klar auf ein Schütz.
- Größe der Klemmen: Kräftige Schraub- oder Käfigzugklemmen für dicke Leiter sprechen für Leistungskontakte.
- Sockel: Ein steckbares Bauteil mit Rastbügel auf einem separaten Sockel ist fast immer ein Relais.
Typische Fehler beim Ersatz
- Relais statt Schütz: Ein Relais mit „10 A“ auf dem Gehäuse ist kein Ersatz für ein Schütz mit 9 A bei AC-3. Die Relaisangabe gilt meist für ohmsche Last. Beim Abschalten eines Motors verschweißen die Kontakte oder brennen ab.
- Falsche Spulenspannung: 24 V AC und 24 V DC sind nicht dasselbe. Eine Wechselstromspule an Gleichspannung kann überhitzen, weil der induktive Widerstand fehlt. Eine Gleichstromspule an Wechselspannung zieht oft nicht sauber an und brummt.
- Nur auf AC-1 geachtet: Der höhere AC-1-Wert verleitet dazu, ein zu kleines Schütz für einen Motor zu wählen. Für Motoren zählt AC-3, bei Tipp- und Reversierbetrieb AC-4.
- Hilfskontakte vergessen: Fehlt der Öffner für eine Verriegelung oder der Schließer für die Selbsthaltung, funktioniert die Steuerung nicht mehr wie geplant.
- Beschaltung weggelassen: Viele Schützspulen haben ein RC-Glied, einen Varistor oder eine Diode zur Überspannungsbegrenzung. Fehlt diese, können Steuerungsausgänge Schaden nehmen.
Arbeiten am Schaltschrank dürfen nur Elektrofachkräfte ausführen. Grundlage sind die DGUV Vorschrift 3 und DIN VDE 0105-100. Die Angaben des Herstellers und der Schaltplan der Anlage gehen jeder allgemeinen Empfehlung vor.
Was Sie beim Ersatz angeben sollten
Für ein Schütz:
- Hersteller und vollständige Bestellnummer
- Spulenspannung und Spannungsart (AC mit Frequenz oder DC)
- Bemessungsbetriebsstrom bei AC-3 oder Motorleistung in kW bei 400 V
- Anzahl und Art der Hilfskontakte, zum Beispiel 1 Schließer und 1 Öffner
- Baugröße, Befestigung und Anschlusstechnik (Schraube, Federzug)
- angebaute Zubehörteile wie Hilfsschalterblock, Überspannungsbegrenzer oder mechanische Verriegelung
Für ein Relais:
- Hersteller und vollständige Bestellnummer
- Spulenspannung und Spannungsart
- Kontaktbestückung, etwa 2 Wechsler, und Schaltstrom
- Sockeltyp und Pinbelegung, falls steckbar
- Zusatzfunktionen wie LED, Prüftaste oder Freilaufdiode
Ein Foto des Typenschilds und ein Foto der Einbausituation mit Verdrahtung beantworten viele Rückfragen auf einen Blick. Welche Teile im Schaltschrank Sie grundsätzlich vorrätig halten sollten, zeigt unser Artikel zu den wichtigsten Ersatzteilen für den Schaltschrank. Wie Sie den passenden Schutz für den Motor einstellen, lesen Sie im Beitrag Motorschutzschalter einstellen.
Wenn das Originalteil nicht mehr zu bekommen ist
Gerade in älteren Anlagen sind Schütze und Relais verbaut, die der Hersteller nicht mehr liefert. Dann braucht es einen Ersatz mit passender Spule, gleicher Kontaktbestückung und ausreichender Schaltleistung, idealerweise in derselben Baugröße. KTB Europe, ein Familienunternehmen aus Hamburg, beschafft seit 1976 Ersatzteile aller Marken weltweit. Schicken Sie uns die Teilenummer, ein Typenschildfoto oder eine Beschreibung. Bei abgekündigten Teilen suchen wir nach Alternativen, die technisch passen.
Mehr dazu auf unseren Seiten zur MRO-Beschaffung und zu abgekündigten Teilen. Ihre Anfrage stellen Sie über die Kontaktseite.
Fazit
Schütz und Relais arbeiten nach demselben Prinzip, sind aber für unterschiedliche Aufgaben gebaut. Das Relais schaltet Signale, das Schütz schaltet Leistung und beherrscht den Lichtbogen beim Abschalten. Wer beim Ersatz auf Spulenspannung, Gebrauchskategorie und Hilfskontakte achtet, vermeidet die typischen Fehler und bekommt ein Bauteil, das in der Anlage zuverlässig arbeitet.
Häufige Fragen
Kann ich ein Relais statt eines Schützes verwenden?
Für Motoren und andere Leistungsverbraucher nein. Ein Relais hat keine Einrichtung zur Lichtbogenlöschung, und seine Stromangabe gilt meist für ohmsche Last. Beim Abschalten eines Motors können die Kontakte verschweißen oder abbrennen.
Was bedeutet AC-3 bei einem Schütz?
AC-3 ist eine Gebrauchskategorie nach DIN EN 60947-4-1. Sie gilt für Käfigläufermotoren, die angelassen und im Lauf ausgeschaltet werden. Der AC-3-Strom ist der wichtigste Wert, wenn Sie ein Schütz für einen Motor auswählen.
Was ist ein Hilfsschütz?
Ein Hilfsschütz sieht aus wie ein kleines Schütz, hat aber nur Hilfskontakte und keine Hauptkontakte. Es wird in Steuerungen für Verriegelungen, Selbsthaltungen und zur Vervielfachung von Kontakten eingesetzt. Es liegt technisch zwischen Relais und Leistungsschütz.
Was passiert, wenn die Spulenspannung nicht passt?
Eine zu hohe Spannung oder eine Wechselstromspule an Gleichspannung führt zu Überhitzung und kann die Spule zerstören. Eine zu geringe Spannung oder eine Gleichstromspule an Wechselspannung lässt den Anker unsauber anziehen, das Bauteil brummt oder die Kontakte prellen. Prüfen Sie Spannung und Spannungsart immer auf dem Typenschild.
Woran erkenne ich ein Schütz im Schaltschrank?
Schütze haben Hauptanschlüsse mit den Bezeichnungen 1/L1, 3/L2, 5/L3 und 2/T1, 4/T2, 6/T3, dazu Spulenanschlüsse A1 und A2. Auf dem Typenschild stehen Angaben wie AC-3 oder eine Motorleistung in kW. Relais sind meist kleiner und häufig auf einen Sockel gesteckt.
Über den Autor
Mica Duarte
Senior Procurement Specialist bei KTB Europe mit über 15 Jahren Erfahrung in globalem MRO-Sourcing und Supply-Chain-Management.
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