Kurz erklärt
Lieferantenbewertung ist die systematische Beurteilung von Lieferanten nach festen Kriterien wie Qualität, Liefertreue, Reaktionszeit, Preis und Compliance.
Inhalt
Was ist Lieferantenbewertung?
Die Lieferantenbewertung liefert eine nachvollziehbare Grundlage für Entscheidungen über Lieferantenauswahl, Vergabe, Entwicklung oder Auslistung. Sie ist ein Baustein des Lieferantenmanagements, das darüber hinaus Strategie, Verträge, Zusammenarbeit und Risikosteuerung umfasst. Ohne regelmäßige Bewertung bleiben solche Entscheidungen oft vom Bauchgefühl einzelner Personen abhängig.
Typische Kriterien sind Qualität, etwa Reklamationsquote und Ergebnisse der Wareneingangsprüfung, Liefertreue in Termin und Menge, Reaktionszeit auf Anfragen und Störungen, Preis und Kostenentwicklung sowie Compliance-Themen wie Nachhaltigkeit, Datenschutz und Einhaltung gesetzlicher Vorgaben. Die Kriterien werden gewichtet und in einem Punktesystem zusammengeführt, aus dem sich Lieferantenklassen ableiten lassen. Kennzahlen aus dem ERP-System werden dabei durch subjektive Einschätzungen der Fachabteilungen ergänzt.
Neben der laufenden Bewertung gibt es die Lieferantenauswahl vor Aufnahme der Geschäftsbeziehung und das Lieferantenaudit, bei dem Prozesse und Qualitätsmanagement des Lieferanten vor Ort oder per Fragebogen geprüft werden. Für die Instandhaltung zählen besonders Reaktionszeit, Teileverfügbarkeit und die Richtigkeit der gelieferten Teile, da Fehllieferungen dort unmittelbar Stillstandszeit verlängern.
Praxis in Instandhaltung und Beschaffung
Für MRO-Lieferanten empfiehlt es sich, neben Liefertreue auch die Quote korrekt identifizierter und gelieferter Teile sowie die Antwortzeit auf Ersatzteilanfragen zu messen. Die Ergebnisse sollten den Lieferanten regelmäßig mitgeteilt werden, damit sie gezielt nachbessern können.
Synonyme und Abkürzungen: Lieferantenbeurteilung · Supplier Evaluation · Supplier Rating · Lieferanten-Scorecard · Supplier Scorecard
Häufige Fragen
Welche Kriterien gehören in eine Lieferantenbewertung?
Üblich sind Qualität, Liefertreue nach Termin und Menge, Reaktionszeit, Preis und Kostenentwicklung, Flexibilität sowie Compliance-Themen wie Nachhaltigkeit und Einhaltung gesetzlicher Pflichten. Welche Kriterien wie stark zählen, hängt von der Warengruppe ab. Bei Ersatzteilen spielen Verfügbarkeit und Teilerichtigkeit eine größere Rolle als bei Standardmaterial.
Wie funktioniert ein Scoring bei der Lieferantenbewertung?
Jedes Kriterium erhält ein Gewicht, etwa als Prozentanteil, und wird auf einer festen Skala bewertet. Die gewichteten Punkte ergeben eine Gesamtnote, nach der Lieferanten in Klassen eingeteilt werden, zum Beispiel bevorzugt, akzeptiert oder zu entwickeln. Wichtig sind klare Messregeln, damit Bewertungen vergleichbar bleiben.
Was ist der Unterschied zwischen Lieferantenbewertung und Lieferantenmanagement?
Die Lieferantenbewertung misst die Leistung einzelner Lieferanten anhand von Kriterien. Das Lieferantenmanagement ist der umfassendere Rahmen: Es umfasst Strategie, Auswahl, Verträge, Entwicklung, Risikosteuerung und Beendigung von Lieferbeziehungen. Die Bewertung liefert dafür die Datengrundlage, etwa für Vergabeentscheidungen oder Entwicklungsgespräche mit Lieferanten.
Was ist ein Lieferantenaudit?
Bei einem Lieferantenaudit prüft der Kunde oder ein beauftragter Prüfer Prozesse, Qualitätsmanagement und gegebenenfalls Nachhaltigkeitsaspekte direkt beim Lieferanten, vor Ort oder per strukturiertem Fragebogen. Audits finden häufig vor Aufnahme der Geschäftsbeziehung, nach Qualitätsproblemen oder in festen Abständen bei wichtigen Lieferanten statt.